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Der Marathon der Titelkämpfe!

Titel in siebzehn Sportarten waren vom 26. bis 28. Mai in Essen zu vergeben.

Bevor der Wettstreit um Medaillen begann, trafen die DGS Altinternationalen auf dem Rasen des Stadions im Sportpark am Hallo auf die Traditionsmannschaft des Rot-Weiß-Essen zu einem Freundschaftsspiel. Mit viel Spielfreude und Ehrgeiz legten sich beide Mannschaften ins Zeug. Man konnte schnell merken, dass die Elf der Rotweißen deutlich mehr gemeinsame Spielpraxis hat als die DGS Aufstellung mit Ex Kapitän Andreas Salzmann und der einstigen Tormaschine Daniel Jagla, die 2008 noch gemeinsam den 1. Fußball WM Titel der Gehörlosen nach Deutschland holten. Am Ende gab sich die Mannschaft der Gehörlosen mit 3:6 Toren geschlagen, Spaß hatte es in jedem Fall gemacht! „Es ist immer wieder außergewöhnlich, wenn wir alle gemeinsam auf dem Rasen stehen. Das kommt nicht oft vor“, kommentierte Jagla. „Überhaupt ist das DGSF eine der wenigen und ganz besonderen Gelegenheiten, zu der wir Gehörlosen, ob aktiv in Sport oder nicht, aus ganz Deutschland zusammen kommen, daher hat es große Bedeutung für uns.“

Den wohl umfangreichsten Wettkampfplan hatte die Leichtathletiksparte zu bewältigen, 88 Einzelwettkämpfe standen bei der DGM in den Alterklassen von Bambini bis Senioren auf dem Programm. Im Rund des Stadions und auf den Wurfanlagen wimmelte es zwei Tage lang von Läufern, Springern und Werfern, eine Siegerehrung folgte auf die andere. Sehr lebhaft ging es auch bei der DGM Schwimmen zu, 29 Einzelwettkämpfe wurden geschwommen, 29 Titel vergeben.

In der direkten Umgebung zum Stadion wurde in der Halle die Pokalmeisterschaft der Basketball Herren ausgetragen, auf den angrenzenden Fußballplätzen fanden die Meisterschaften der Kicker statt, der GTSV Essen hatte hier eine Kinderbetreuung eingerichtet. Damit wurde das Hallo zum Mittelpunkt des Geschehens und Anlaufpunkt der Schlachtenbummler.

Aber auch bei den ausgelagerten Wettkämpfen gaben sich die Besucher die Klinke in die Hand, überall waren beste sportliche Voraussetzungen geschaffen worden, für das leibliche Wohl aller war gesorgt. Am weitesten hatten es die Radsportfans, das Einzelzeitfahren fand in Bochum statt, das Straßenrennen zwei Tage später in Dortmund.

Hightlights – eine kleine Auslese

Wenn man davon absieht, dass das 24. DGSF an sich schon ein Höhepunkt im nationalen Gehörlosensport ist, zählten vor allem die Finals beim Fußball, vor allem das des U21 Bundesländerkampfes zu den Hauptattraktionen der Veranstaltung. Die U21 Auswahl aus Baden-Württemberg gewann mit 3:1 gegen die Auswahl Nord, sie hatte den Vorteil, gut aufeinander eingespielte Nationalkaderspieler wie Domenico De Marco oder die Bayer Brüder auf dem Feld zu haben.

Das Pokalfinale der Basketballer war ein Duell zwischen alt- und jungnational. Der GSV Osnabrück wartete mit Altstars wie Marc Schwanemeier, Ingo Grothmann und Max Hoischen auf, der GTSV Frankfurt hielt mit aktuellen Kaderspielern wie Artzjom Appel, Mesut Arslan, Michael Hanft und Mohammed Seraji dagegen. Die Alten hatten nichts verlernt, aber am Ende waren bessere Kondition und athletischere Verfassung bei den Jungen das Zünglein an der Waage, das Ergebnis eines sehr kämpferischen und wurfreichen, aber über lange Strecken trefferarmen Spiels war ein verdienter 60:43 Sieg für die Frankfurter.

Im Tischtennis Einzel der Damen traf ebenfalls jung auf alt. Gegnerin des Talents Annalena Moll war die Granddame des Gehörlosen Tischtennis, Annette Hein. Hein war es bislang immer wieder gelungen, ihren Gegnerinnen ihren vollkommen unorthodoxen Spielstil aufzuzwingen. Mit stoischer Ruhe brachte sie auch diesmal jeden Ball ohne jede Variante zurück über das Netz, Moll fand kein Rezept dagegen, machte im Angriff Fehler, spielte zu wenige ideenreich und blieb hinter ihrem Potential zurück. Das brachte sie am Ende um den Titel.

Sehr spannend war das Straßenrennen der Damen mit gleich drei Favoritinnen am Start, Isabelle Boberg, Luise Jungnickel und Bianca Metz. Es lag nahe, dass alle drei auf dem Podest stehen würden, aber welche den Titel mit nach Hause nehmen würde, war bis zur letzten der insgesamt 50 Runden offen. Gemeinsam kamen sie um die letzten Kurve, dann zog Boberg enorm an und ging mit gutem Vorsprung vor Metz über die Ziellinie, dicht gefolgt von Jungnickel. Man darf gespannt bleiben, wer bei der diesjährigen EM in Belgien die Nase vorn haben wird, Medaillenchancen haben alle drei.

Das Turnier der Tennis Herren gehörte mit zu den spannendsten in den Individualsportarten. Favoriten waren Urs Breitenberger und der amtierende Deutscher Meister Sebastian Schäffer. Zu einem Finale zwischen den beiden sollte es nicht kommen, Breitenberger schonte sich im Halbfinalspiel gegen seinen aktuellen Bundestrainer Ronald-Oliver Krieg, um für ein Punktspiel in seinem Hörenden Verein am Abend fit zu sein. Zuvor hatte Krieg dem jungen Kaderspieler Johannes Behr eine harte Lektion erteilt und ihn gnadenlos in zwei überlegenen Sätzen vom Platz gefegt. Schäffer schlug Halbfinalgegner und Kaderkollegen Hans Tödter dagegen in einem hart umkämpften Match. Im Finale zeigte er beste Form und verwies Krieg auf Platz zwei. Die EM wird zeigen, ob diese Form auch international ausreicht, es wartet harte Konkurrenz auf die deutsche Tennis Elite.

Unabhängig von den Highlights des 24. Deutschen Gehörlosen Sportfestes in Essen, gab es weitere Wettkämpfe, für jeden einzelnen, der teilgenommen hat, war jeder davon von Bedeutung, jeder Titel ein Meilenstein und Grund, stolz zu sein auf seine Leistung. Stolz kann auch der Ausrichter sein. Die Bereitstellung der Sportstätten, die Anzahl helfender Hände, die Organisation von Transport und Rahmenbedingungen, die reibungslose Zusammenarbeit mit den Sparten, das alles hat dazu beigetragen, dass die Sportler und Sportlerinnen sich auf ihre Wettkämpfe konzentrieren konnten. Und dass sich jeder wohl gefühlt hat. Überall war das zu spüren.

Bericht: Anne Köster und Foto: Pit Schöler

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